Wechsel an der Spitze der Sportkommission Inline- Fitness und Speedskating im Deutschen Rollsport und Inline-Verband

Etwas mehr als 4 Jahre hat Rainer Keppeler vom TSuGV Großbettlingen die Geschicke des Deutschen Rollsport und Inlineverbandes (DRIV) geleitet. In seiner Amtszeit wurden viele zukunftsorientierte Projekte auf den Weg gebracht. Nun übergibt er an den Erfurter Andre Held.

Pandemiebedingt fand seine offizielle Verabschiedung während der jährlichen SK-Sitzung online statt. Trotz des eher unpersönlichen Formats gab es einige Tränen, als er den zahlreichen Teilnehmern ein kleines Resümee seiner Amtszeit vortrug. Keppeler hat sich im Inline-Speedskaten einen Namen gemacht und ist seit Anfang 2000 dabei. Erst als Skater und Vater von Rico Keppeler, der selbst einige große Erfolge auf Skates feiern durfte, dann als Trainer beim TSuGV Großbettlingen und im Landeskader.  Danach ging es als Funktionär in den Landesverband WIRV und im Anschluss zum DRIV. Wenn er über das Inline-Speedskaten spricht kommt er immer wieder ins Schwärmen.

Warum hört Rainer Keppeler dann auf?

Keppeler: „Der Job als SK-Vorsitzender ist eigentlich ein Fulltime-Job, den man ehrenamtlich macht. Er war einfach nicht mehr mit meinem Beruf zu vereinen. Ich wollte eigentlich nur 4 Jahre den Job machen und einiges bewegen. Leider war es nicht so einfach, einen Nachfolger zu finden. Doch mit Andre Held habe wir nun einen würdigen gefunden.“

Sein Nachfolger ist dann auch voll des Lobes für Keppeler: „Rainer ist nur schweren Herzens zurückgetreten. In den 9 Monaten, wo ich ihn kennenlernen durfte, hat er mir alles übergeben und man hat hier ganz deutlich gesehen, wieviel Lebenszeit Rainer in den Job geopfert hat. Ich selbst werde ihn in der Zukunft sehr vermissen und hoffe, wenn er bald in Rente geht, dass wir ihn wieder sehen. Denn sein Knowhow wollen wir hier nicht missen.“

Wer Keppeler kennt, weiß, dass dieser Abschied nicht für immer sein wird. Er hat bereits angekündigt, dass er sich durchaus wieder ein Amt vorstellen kann, wenn er 2023 in Rente geht. Auch Bundestrainerin Katharina Berg wird Keppeler vermissen: „Rainer hat uns in den letzten Jahren in seiner Funktion als SK Vorsitzender stets mit seinem fachlich fundierten Wissen in allen Bereichen des Speedskatings überzeugt, unterstützt und geleitet. Mit seiner sehr netten, aber auch zielstrebigen Art hat, er uns stets weitergebracht. Er war unwahrscheinlich fleißig und hat sich stets für unsere Sportart, die Sportler und Trainer eingesetzt, so dass wir viele Projekte erfolgreich starten und beenden konnten. Gemeinsam haben wir jede Menge Erfolge erkämpfen können. Er hatte für alle Bereiche ein offenes Ohr und war immer in Kommunikation mit den Vereinen und den Sportlern. Wir sind Rainer sehr dankbar für seine großartige Arbeit und hoffen, ihn weiter in verschiedenen Bereichen im Speedskating wieder zu treffen.“

Was waren Keppelers wichtigsten Projekte in seiner Amtszeit?

Keppeler: „Von Anfang an war mir wichtig, dass wir endlich professionellere Strukturen einführen. Dazu zählten Lehrunterlagen für die Trainerausbildung, eine Werbemappe für die Vereine, das Leistungssportkonzept für den Nachwuchs und eine professionelle Homepage.“

Auch die finanziellen Rahmenbedingungen wurden deutlich besser. Die DOSB-Mittel wurden dank der großen Erfolge bei den letzten World Games deutlich erhöht. Zusätzlich hat der Inline-Verband aktuell 4 Bundeswehrplätze für Spitzensportler und ab sofort kann ein hauptamtlicher Trainer fürs Nationalteam verpflichtet werden.

Dennoch sieht es aktuell, wie auch bei anderen Sportarten, besonders im Nachwuchsbereich nicht so rosig aus. Es gibt kaum noch Juniorensportlerinnen und Sportler, die international konkurrenzfähig sind. Das Problem sieht Keppeler hauptsächlich am breiten Angebot, das die Kinder heutzutage haben. Früher haben sie sich mangels Alternativen schon frühzeitig auf einen Sport festgelegt. Heute wird alles mal ausprobiert und somit wird es schwieriger, die Kinder bei der Stange zu halten. Hinzu kommt, dass bei den Inline-Vereinen in Deutschland ein größerer Generationenwechsel auch bei den Trainern stattgefunden hat und hier erst wieder Strukturen und Gruppen aufgebaut werden müssen. Das internationale Niveau ist ebenfalls gestiegen.

Aber Keppeler sieht nicht so schwarz. In letzter Zeit sind einige gute Inline-Skaterinnen und Skater nach ihrer aktiven Laufbahn als Trainer eingestiegen. Sie machen bereits jetzt einen tollen Job.

Hinzu kommt, dass es in anderen Ländern wie z.B. in Frankreich Sportinternate gibt, die auch Inline-Speedskaterinnen und Skater aufnehmen und optimal fördern. „Da können wir nur neidisch zu unserem Nachbarn schauen“ so Keppeler.

In seiner Zeit als SK-Vorsitzender hatte er auch Einblicke in die Verbandsstruktur des internationalen Dachverbands „World Skate“ bekommen. Er sieht kaum Chancen, das Inline-Speedskating bald olympisch wird.

Keppeler: „Generell ist es sehr schwer, olympisch zu werden. World Skate war froh, mit Skateboard eine Sportart bei den Olympischen Spielen platziert zu haben und will Skateboard erst mal langfristig etablieren. Es wird wohl keinen Antrag beim IOC in den nächsten Jahren geben. Das Inline-Speedskating muss sich weiter über die World Games und die Youth Olympics empfehlen. Rein vom sportlichen wären wir bereit für Olympia.“

Welchen Stellenwert Olympia für die Sportlerinnen und Sportler hat, musste der Inline-Verband dieses Jahr bei der WM im November schmerzlich feststellen. Die deutschen Top-Skaterinnen und Skater waren fast vollständig auf dem Eis aktiv und zogen eine mögliche Weltcup-/ Olympia-Qualifikation der Inline-Speedskating WM in Kolumbien vor. Es waren für Deutschland nur die Sportlerinnen und Sportler am Start, die nicht auf dem Eis aktiv sind oder sich nicht für den Weltcup qualifiziert hatten. Keine optimale Vorbereitung für die größte Meisterschaft des Jahres. 

Keppeler gibt kritisch zu bedenken: „Es gibt keine Vereinbarung mit dem Eissport. Das sehe ich sehr problematisch.“

Nächstes Jahr wird für den Verband wieder ein ungemein wichtiges Jahr. Bei den World Games in Birmingham (USA) geht es um wichtige Medaillen.

Keppeler warnt: „Wir müssen mindestens eine Medaille holen um im ersten Cluster der DOSB-Förderung zu bleiben. Sonst wird es deutlich weniger Fördergelder geben. Das wird aber sicherlich sehr schwer.“

Er wagt noch einen Ausblick: „Deutschland wird in den nächsten 5 Jahren wieder aufholen. Es wird nach Corona wieder mehr Nachwuchs geben. Erste positive Rückmeldungen gibt es bereits von einigen Vereinen. Mit den neuen, erfahrenen Trainern werden wir ein stabiles Fundament für zukünftige Erfolge haben.“ Er wird sich die Entwicklung genau anschauen und sich sicherlich bei den großen Veranstaltungen unter die Zuschauer mischen. Natürlich wird er ein überall gern gesehener Gast sein.

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